BLOG EINTRAG #6 - BULGARIEN

In Serbien wurde ich vor Bulgarien nur gewarnt: „Zackzerap“ und Mafia. Mit diesem Mindset war für mich nach dem Grenzübertritt jeder ein Verbrecher. Doch vorneweg sei gesagt, die Mafia kümmert sich sicherlich um „wichtigere“ Sachen, als harmlose Radfahrer auseinanderzunehmen und „Zackzerap“ ist auch zu differenzieren: Es gibt die „echten“ Bulgaren und die Gipsy-Bulgaren. Die Gipsys machen Zackzerap oder betteln um Geld und das egal in welcher Altersklasse. Wer jetzt denkt „wie kann er nur alle in eine Schublade stecken“, den lade ich gerne ein, mal durch eine Gipsy-Siedlung im Nordwesten, dem ärmsten Teil Bulgariens, zu laufen. Was passieren wird, kann ich auch nicht sagen, ich bin nämlich immer schnell durchgefahren. Im Gegensatz dazu gibt es aber größtenteils einfache, aber nette Dörfchen mit freundlich grüßenden Bewohnern und allerhand Störchen auf den Strommasten. Das falsche Mindset wurde mir letztendlich genommen, als zwei Jungs mit ihrem Traktor an einer der vielen Quellen hielten und neugierig nachfragten, was ich denn hier so mache.
Nach einer Nacht Wildcamping im Feld, kam, als ich gerade an einem Mini-Market Halt machte, ein Radfahrer mit Trikot und Rennrad vorbei, der nur ein paar Brocken englisch Sprach. Er fragte, ob wir zusammen etwas fahren wollen, aber ich musste wirklich sehr dringend Tagebuch und den Text für Serbien schreiben, also sagte ich, dass ich noch brauche. Ich gab ihm aber meine Internetadresse mit, denn, wie er mir zu verstehen gab, kann seine Tochter gut Englisch und kann es übersetzen. Als ich dann nach einer Stunde weiterfuhr, kam er (Dimitar) mir wieder entgegen … und zwar mit seiner Tochter, Nelina, 13. Jetzt konnte ich alles erzählen und direkt kam die Frage, ob ich denn hungrig sei. Damit war mein Schlafplatz auch gesichert … und natürlich war ich hungrig! Ich folgte den beiden nach Gigen, einem kleinen Dorf, wo sie bei den Großeltern zu Besuch waren. Dort wusste man schon längst, wer ich bin und die andere Tochter, Viki, 17, begrüßte mich mit „Hi Dennis“. In der Küche dann Aufregung: der Gast ist da! Setzen, trinken, gemischter Salat, Essen ist in Arbeit! Ich erwarte ja von niemanden irgendetwas, aber an diesem Abend wurde die Messlatte der Gastfreundschaft in unermessliche Höhen geschraubt. Salat, Suppe mit Hühnchen, Lamm mit Beilage, Kebapche mit Kartoffeln, Eis, Wassermelone und zwischendurch der ein oder andere Rakija. Ich hatte das Gefühl, dass man nur darauf wartete, dass ich einen Wunsch äußere. Opa Rumen wollte mir dann die ein oder andere Geschichte erzählen, aber ich verstand ihn einfach nicht. Also versuchte er lauter zu reden, aber auch das blieb ohne Erfolg. Er musste dann doch eingestehen, dass die Sprache und nicht die Akustik verantwortlich war. Zum Glück hatten wir ja die Girls als Dolmetscherinnen. Am liebsten hätte ich sie ja beide gleichzeitig geheiratet, aber Polygamie gibt’s erst im Iran, also schnell weiter! Nach  einem ausgiebigen Frühstück sagte ich Viki, dass ich mich schlecht fühle, da zu viel für mich getan wurde und was ich denn als Gegenleistung tun könnte. „Nein, alles gut, dass ich ihr Gast war, hat alle absolut erfreut“. Um dieses Schuldgefühl noch etwas zu vergrößern, drückte mir Opa Rumen 20 Lev (ca. 10€) in die Hand, nachdem er mir am Vorabend erzählt hatte, dass er 300 Lev Rente bekommt. Ich sagte, dass ich es nicht annehmen kann. „Du musst aber!“ Okay, was blieb mir schon übrig. Deshalb sei an dieser Stelle Opa Rumen als inoffizieller Sponsor mit finanziellen Mitteln im Wert von 20 (zwanzig) Lev erwähnt.
Special Thanks auch an die „Petrol“ Tankstelle, hinter der ich in der folgenden Nacht zelten durfte und die mich mit Free WiFi versorgte, damit ich an der Homepage schrauben konnte.
In Slalomfahrt zwischen den Schlaglöchern der miesen Straßen entlang endete ich in Chudomir, einem Kaff, bei dem ich am Mini-Market 2 Bier zippte, dem Ladenbesitzer folgte, irgendwann auf einem dunklen Feldweg stand und dann bei ihm unterkam und neben einer Spinne schlief. Die hatte aber Beute im Netz, also war ich safe. Die Geschichte würde den Rahmen dieses Eintrags sprengen, wird aber in Zukunft noch genauer erläutert.
Zusammen mit einem Nuklear-Ingenieur namens Momchil, der mit seinem Rennrad unterwegs war, ging es dann weiter.  An diesem Tag lernte ich, dass sich ein LKW nicht mit einem Porsche anlegen sollte. Während ich mich abkämpfte, sah ich ihn im Rückspiegel gähnend in die Ferne schauen. Dennoch schafften wir es bis ans Schwarze Meer, das aber garnicht so schwarz ist, wie sein Name verspricht. Etymologisch gesehen bestimmt nur eine gelungene Marketingstrategie…oder so. Jedenfalls muss auch Momchil als inoffizieller Sponsor genannt werden, denn er übernahm so ziemlich jede Rechnung mit Freude, auch die des Abendessens und des Hotelzimmers, das wir uns teilten.
Während er Richtung Norden musste, fuhr ich nach Süden, nach Sunny Beach, dem Ballermann Bulgariens und nahm mir eine dreitägige Auszeit. Am ersten Abend, an dem ich spät im Hostel ankam, verschaffte ich mir einen Überblick über Sunny Beach. Meer, Strand, Essen, allerhand gefälschte Kleidung und niveaulose betrunkene Menschen. Was blieb mir schon anderes übrig, als mich diesen Leuten anzupassen. Und den richtigen Partner dafür lernte ich am folgenden Tag im Hostel kennen: Giuliano, 29, aus Südafrika. Soviel kann ich von den beiden Abenden auch nicht mehr erzählen, aber vor allem der zweite war sehr gelungen. Nachdem wir am Strand schon gut einen gehoben hatten, klaute er im Club eine Flasche Schnaps aus der Bar (soviel zu Zackzerap in Bulgarien) und der Rest ist Geschichte. What happens in Bulgaria, stays in Bulgaria. Als er am nächsten Tag aufwachte, war er immernoch blau und wunderte sich warum. „I think I fucked a smurf“. Die Flasche, die er gerippt und ge- bzw ver-kippt hatte, war Blue Curacao. Ich denke die Bilder sagen mehr als tausend Worte.
Den letzten Tag Tour-Timeout verbrachte ich am Strand mit Ekaterina aus Moskau, die ich am Vorabend kennengelernt hatte. Sicherlich der richtige Zeitpunkt jemanden zum Reden zu haben, da ich mittags die Nachricht bekommen hatte, dass mein Opa im Alter von 85 Jahren verstorben ist. An dieser Stelle ins Detail zu gehen ist sicherlich unpassend. Meine Gedanken waren und sind bei ihm und es sind gute. Er war und ist ein Befürworter und Unterstützer der Tour und ich freue mich für ihn, dass er nun endlich wieder mit seiner Frau, meiner Oma, vereint ist.
Wem das zu tiefgründig war, dem sei gesagt: Am letzten Tag in Bulgarien, an dem ich mich nochmal im Wildcamping an einem Rastplatz testete, wollten ein paar Arbeiter Zackzerap mit meinem Campingkocher und meinem Kochtopf machen, aber ich holte mir das Diebesgut zurück, nachdem es schon im Auto verschwunden war. Mehr Details dazu in Zukunft. Und jetzt Tschüss Bulgarien, es geht in die Türkei, der Dönerspieß hat schon gerufen! Bis dann.
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Nesebar: Unesco World Heritage Site!
Die letzte Kirche vor der türkischen Grenze --->