Blog Eintrag #5 - Serbien

Gleich das erste Dorf sieht ziemlich heruntergekommen aus. Die Häuser stark renovierungsbedürftig, einige stehen leer, auf der Straße nicht viel los. Ich erwarte also nichts und plötzlich sehe ich ein Schild „Miki Zoo“. Ich öffne ganz vorsichtig das Tor, hoffe dass mich der Südafrika-Kronenkranich nicht attackiert und dann kommt tatsächlich ein Kerl, Ende 20, auf mich zu und meint „Tour“. Na dann los! Und tatsächlich darf ich für ca. 2€ Vogelarten aus aller Welt, Antilopen, Lamas, Ponys, ein Vogelstrauß und sogar zwei Braunbären bestaunen. Keine Ahnung, wie lange es den Zoo schon gibt und wie er sich finanziert, aber schön, dass ich da sein durfte. Den Kaffee beim Plausch mit Händen und Füßen mit den anderen drei Mitarbeitern gab es noch Gratis dazu und als ich eigentlich schon gehen wollte, wurde ich noch zur Fütterung des Vogelnachwuchses reingerufen. Dabei entstand eine innige Freundschaft mit dem Kakadu (Foto). Am Abend, als es schon 23 Uhr war und ich keine 17€ für das Hotel ausgeben wollte, kam ich noch bei dem Hobby-Imker Slavko, seiner Frau Dragana und seinem Sohn Aleksandar unter. Wie ich das um diese unchrsitliche Uhrzeit noch hinbekommen habe, wird in Zukunft noch ausführlicher beschrieben, aber zusammengefasst kann man sagen, es war ein Geniestreich. Am nächsten Morgen testete ich nochmal mein Knie beim Basketballspielen (Foto) und ich würde sagen: Das flutscht! Das waren aber auch Zuckerpässe von Aleksandar… Und wahrscheinlich beflügelten mich auch die diversen Honigleckereien von Slavko, die ich probieren durfte (musste). Eigentlich mag ich ja gar keinen Honig, jetzt schon!

Dann ging es bei 39° im Schatten (wohl dem, der Schatten hat) weiter nach Belgrad, wo ich via Couchsurfing bei Milan und seiner Frau Nevana unterkam. Was für eine Gastfreundschaft! Als nette Sonntagsunterhaltung, gingen wir ins Stadion und guckten das Erstliga-Fußballspiel Roter Stern Belgrad gegen OFK Belgrad. Milan sagte, dass Roter Stern zu 100% gewinnen wird, weil der Präsident von OFK früher bei Roter Stern war und wer weiß, was da noch alles im Hintergrund so abgeht. Zur Halbzeit dann 0 zu 2 für OFK. Can it be? Nein, can it not. Entstand 6 zu 2 für Roter Stern und der Verband ist wohl nun dabei, das Spiel aufgrund des Verdachts der Manipulationm zu überprüfen. Viel Spaß dabei, aber rausfinden wird man mit großer Wahrscheinlichkeit nichts. Generell, meinte Milan, sei Serbien viel zu korrupt und auch wenn er sein Land liebt, will er am liebsten raus, damit es seine Kinder mal besser haben. Schließlich lebt er seit seiner Geburt (seit 29 Jahren) in Belgrad und hat schon in fünf verschiedenen Ländern gelebt...kurz nachdenken...ah ja! Erinnerungen an schlimme Zeiten, zeigen auch noch die zerstörten Gebäude in der Innenstadt, die an die Angriffe der Nato 1999 erinnern (Foto).

Als ich aus Belgrad draußen war und mal wieder, wie eigentlich jeden Tag in Serbien bei 38°/39° im Schatten (nix Schatten!) unterwegs war, kam ich am Abend bei Slobodan auf dem Bauernhof in einfachsten Verhältnissen unter. Seine Frau schaffte noch ein wenig, Slobodan und ich hatten ein schickes Abendessen, es war angenehm warm, die Katzenbabies spielten neugierig herum und wir kippten einen Sliwowitz nach dem anderen, wobei er immer „Dennis, Arbeit, Arbeit!“ rief und damit darauf hinweisen wollte, dass wenn man viel schafft, man auch viel trinken darf. Er sprach Italienisch, Serbisch, 3 Worte Deutsch, 3 Worte Französisch und ich Deutsch, Englisch, ein wenig Spanisch und 2 Worte Französisch … wir konnten uns eigentlich alles erzählen, was wir wollten. Dann zeigte er mir noch seine Gewehre … Männerthemen halt. Zum Frühstück gab es dann einen Kaffe und einen Sliwowitz. Sportlernahrung.

Da ich jetzt durch viele Dörfer fuhr, gab es kaum noch Supermärkte, aber immer einen „Tante-Emma-Laden“, der mit kühlen Drinks auf mich wartete. So auch in einem Dorf auf einem Berg. Als ich dort eine Pause einlegte, kam noch ein Verwandter der Besitzerin und setzte sich zu mir. Mica, 16, aus Konstanz, der gerade zu Besuch bei seinen Verwandten ist. Und so konnte ich auch in einem Bergdörfchen im Süden Serbiens tiefgängige Gespräche über Haftbefehl, AON und die deutsche „Gangster“-Rapszene führen.

Am letzten Tag in Serbien war mein Geburtstag, aber darüber gibt es einfach nichts zu berichten. Ich war froh, als er rum war, aber das gehört schon zu Bulgarien, also STAY TUNED!

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Voller Einsatz für den Gast: Slavko scheuchte Aleksandar auf
den Baum, um für mich Äpfel als Wegzehrung zu pflücken ----------->
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<------ Slobodan's Dusche: Ein paar Bretter am Boden, ein paar Bretter drumherum und ein kleiner Wasserbehälter obendrüber mit durch die Sonne aufgewärmtem Wasser.
Ergebnis: Ich war sauber!
...und bereit für den nächsten Sliwowitz.
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Djerdap Nationalpark:
Nördlich der Donau Rumänien, südlich der Donau (Dunav) Serbien.
Schwerbewaffnetes Ömchen
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Konstanz represent!
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Serbische Patchwork-Straße: Immerhin sind die Löcher noch geflickt. Ausblick Bulgarien: Leider nein, leider gar nicht.
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