BLOG EINTRAG #26 - AUSTRALIEN (Part 2)

Kulturschock überwunden, das Outback durchquert, die Eastcoast erreicht, suuupiii. Wie angekündigt wollte ich die Flasche ansetzen und das hat auch gut geklappt. Pants-Down-Party im Asylum Hostel in der Party-City Cairns! Auch wenn der Titel der Party perverser klingt, als sie war, waren dort Leute in meinem Alter, ich hatte Spaß, tanzte, und führte Kommunikationen. Dass ich das nach dem Höllentrip von Darwin nach Cairns noch erleben durfte... Nach nur drei gehirnzellenzerstörenden Nächten musste ich schon wieder weiter, doch mit einer gut durchgespülten Leber, lässt es sich viel entspannter radeln. Südlich von Cairns kann man unweit des Wegs einige Hochlichter mitnehmen. Z.b. die Josephine Falls, mit einer natürlichen Rutsche, Pools und Schaukeln bestehend aus Lianen, wobei ich mir den Titel als Rutschkönig natürlich nicht abnehmen ließ. Auch der Mission Beach ist ein echtes Musst-Tun, gerüchteweise einer der schönsten Strände Australiens, der aber so bretthart ist, dass man auch mit einem 45-Kilo-Touringbike nicht einsackt. Im anliegenden Regenwald ist der Kasuar beheimatet, ein großer flugunfähiger Vogel mit blauem Kopf, der so starke Füße hat, dass er an einem guten Tag einem Mensch mit seinen Krallen die Kehle durchschlitzen könnte. Ich, der, wie der Leser bereits weiß, als Nachfolger Steve Irwins gehandelt wird, begab mich natürlich auf die Suche und schlich mich durchs dichte Geäst. Ich zog auch meinen Helm auf, um dem Kasuar, genauer gesagt dem Helmkasuar die Scheu zu nehmen, aber ich blieb ohne Erfolg. Warum? Ich hatte einfach nicht genug Zeit und musste weiterziehen. Die Strecke bis Sydney noch zu weit, die Zeit weiterhin knapp. Während ich im Blog#23 die Flexibilität auf Reisen noch als absolute Gönnung bezeichnete, sah es nun ganz anders aus. Keine Ahnung welcher Idiot das so geplant hatte, aber ich musste nun täglich Big Numbers auf den Tacho bringen, um im Zeitplan zu bleiben. Allein, dass ich einen Zeitplan habe … schrecklich. An sich ist es auch kein Problem Big Numbers zu liefern, doch wir hatten uns verstritten. Dieser Wind und ich. 55 km/h Pazifikbrise in die Schnauze und zwar den gaaaaanzen Tag. Es forderte deutlich mehr Pausen, kostete 40% mehr Kraft und klaute gleichzeitig 40% meiner Geschwindigkeit. Erst mit Sonnenuntergang ließ er nach, also waren die Überstunden sogar noch die entspanntesten. 

Dazu gab es südlich von Townsville keine ernstzunehmenden Highlights mehr. Mental war es nochmals ein kleiner fünftägiger Flashback in die harte Zeit zwischen Darwin und Cairns. Doch immerhin gab es auf dem Weg vielzählige kostenlose Campingplätze, auf denen man abends stets einen netten Chat mit anderen Reisenden, Urlaubern oder (hauptsächlich deutschen) Work&Travellern haben konnte. So auch an einer Tanke mit Truckstop, an der ich mit Pat ins Gespräch kam. Er bot mir an, mich am nächsten Morgen mit seinem Truck 330km mitzunehmen. Von Darwin bis hierher mit Muskelkraft und jetzt anfangen zu cheaten? Indeed! Schließlich hatte ich im letzten Beitrag selbst darauf hingewiesen, ab und zu seinen Stolz daheim zu lassen. In nur drei Stunden konnte er mir somit drei weitere brutale Tage ersparen und schlagartig war ich wieder der glücklichste Mensch, denn die Stellschrauben des Zeitplans wurden damit so sehr gelockert, dass ich ernsthaft die Beine hochlegen konnte.

Es kam noch besser, in einem Dorf hatte der einzige Pub PayTV und so konnte ich das komplette Game 6 der NBA Finals gucken. Wen interessiert schon diese Fußball-EM. Ich war für die Cavs, eine alte Aborigine-Frau mit grauem Mini-Afro war für die Warriors. Sie behauptete, dass sie das Ergebnis schon weiß. Dabei war es eine Live-Übertragung. Ureinwohner, Geisterbeschwörung, Wahrsagerei, Orakel, huuhuu, … ich wollte das Ergebnis nicht wissen, es sollte ja spannend bleiben. Drei Bier später rief ich „Game 7, woohoo!“, wurde etwas verständnislos von den anderen Atzen angeguckt, die dort schon mittags biertrinkend am Tresen hockten, und fuhr weiter.

Ich erreichte die Sunshine Coast! Es regnete. LOL. Per warmshowers ging es Step by Step Richtung Süden. Tagsüber teilweise unter 20°C, nachts sogar unter 10°C. In Brisbane feierte ich das einjährige Tourjubiläum. Koks, Nutten und Champagne! Standard für einen Lowbudgettraveler. Dennoch war es scheinbar etwas zu viel des guten, denn darauffolgend hatte ich einen außergewöhnlichen Traum: Ich lief am Strand der Gold Coast entlang, fuhr zum Flughafen und flog nach Sydney. Dort ging ich zum Konsulat der USA und gab ein ca. 60-sekündiges Interview, worauf man feststellte, dass ich kein Terrorist, sondern ein harmloser Bikepacker bin und mir das Visum ausstellen wollte. Dann flog ich wieder zurück.

Was mir dieser Traum sagen soll, weiß ich auch nicht genau, aber irgendwie fehlten plötzlich ca. 230€ auf meinem Konto. Ich werde der Sache nachgehen!

Letztendlich fuhr ich bis Byron Bay, dem Surfer-Mekka Australiens. Mit Abstand das entspannteste Städtchen auf meiner derzeitigen Fahrt über diesen Kontinent. Noch besser, ich traf Willi, eine Urlaubsbekanntschaft aus Thailand wieder, d.h. zum entspanntesten Städtchen kamen auch noch die besten Leute hinzu. Strand, Sonne, Surfen, Angeln, Bierchen, Füße hochlegen, erste Sahne! Sechs Tage vergangen wie im Flug und dann bodyslamte mich der Blick auf den Kalender zurück auf den Boden der Tatsachen. Der Flieger hebt am 18. Juli in Sydney ab. Hurtig, Hurtig Richtung Süden!!!

Josephine Falls
Helmkasuarsuche
Birdersection
Legend
Gold Coast
Byron Bay
Blog 25 ---->