BLOG EINTRAG #20 - THAILAND

Zum ersten Mal seit sechs Ländern heißt es, einfach zur Grenze gehen, Zettel ausfüllen und da sein. Nichts bezahlen, kein Visum beantragen, keine special permits, keine Ausreisegebühren oder sonstige finanziellen Ellbogen. Kaum ist die Grenze überschritten sehe ich moderne Autos, Fahrradläden, saubere Restaurants, Elektroläden mit der neusten Technik undundund. Eigentlich sollte ich sowas ja kennen, aber die letzten Monate hatten mich an ein anderes Bild gewöhnt. Viel Zeit zu verlieren hatte ich jedoch nicht, schließlich steckte ich noch in der Party-Depression Myanmars und hatte mächtig Durst. Am Asian Highway 1 gab es nichts zu sehen, also hieß es nur strampeln. Dabei handelte ich mir nach ca. 10400km einen Platten ein … schon der zweite, so langsam reicht‘s! Boxenstop beim Reifenprofi, 10 Minuten, Flicken drauf, 20 Baht und Tschüss. Darauffolgend fuhr ein Roller an mir vorbei. Die Mitfahrerin zog während der Fahrt ein Dose Energydrink hervor, öffnete sie gekonnt, zog einen steril verpackten Strohhalm hervor, schälte ihn sanft aus der Plastikfolie, steckte ihn in die Dose und servierte mir diesen liebevoll zubereitenden Drink. Unter diesen Bedingungen (Service Crew und Boxengasse) ist Radfahren ziemlich einfach und ich durchbrach die 200km Schallmauer und flog förmlich nach Bangkok. Endlich wieder ein Ort, wo was abgeht! Bier. Bier. Bier. Skorpion. Schnaps. Nichts tun…nach 1400km in den letzten 13 Tagen.
Dann hatte ich noch ein kleines Meeting mit einem Ladyboy in einem Kunstmuseum, weil ich herausfinden wollte, was in diesen Leuten vorgeht. Schließlich redet jeder Thailandreisende über Ladyboys, aber Bescheid weiß doch irgendwie keiner. Sie (eigentlich [noch] Er), 23, nennt sich "Cafe", ist als Junge geboren, wäre gerne ein Mädchen und steht auf Jungs. Warum? Das weiß sie auch nicht. Aber seine Interessen und Vorlieben zu erklären, hat generell mit Logik oft nichts zu tun. Is halt so. Es war ein interessantes und tiefgründiges Gespräch, über dessen Thematik man Studien führen oder es auch sein lassen kann. Festzuhalten ist, dass auch ein Ladyboy ein „ganz normales“ Leben führen kann: Sie hat männliche Freunde, weibliche Freunde, Ladyboy Freunde, ihre Familie hat nichts dagegen, sie ist Backgroundtänzerin für einen in Thailand sehr bekannten Popsänger, ist gleichzeitig Modedesignerin und wird sich nächstes Jahr umoperieren lassen. Das kostet in Bangkok 200.000 Baht (ca.5000€), also falls euer Interesse geweckt ist, nur zu! ;)
Zurück zur Tour: Etwas Zeit in BKK verplempert, dann aber im 30ten Gang Richtung Paradies. Mit der Nachtfähre im 60ger Schlafsaal auf die Insel Ko Tao. Es ist schon eine Frechheit: ich muss 6 ½ Monate Rad fahren, um in den Genuss solcher Schönheit zu kommen, andere setzen sich in den Flieger und brauchen nur ein paar Stunden.
Es ist Hochsaison und deshalb ist auf allen Inseln gut was los und jeden Abend wird die Hütte geschwungen und die Hüfte abgerissen, was meine Seele nach den letzten Monaten erquicket und gleichzeitig meine Leber schädigt. Das sind jedoch nur Präventivmaßnahmen, um mich vor Entführung und illegalem Organhandel zu schützen, Thaimafia, huhu! Thema Gruselgeschichten: Full Moon Party! Das Auswärtige Amt schreibt: „Auf den monatlich stattfindenden ,,Mondscheinpartys" (Full Moon Party) auf der nördlich von Koh Samui gelegenen Insel (Koh) Pha Ngan ist es bereits mehrfach zu tödlichen Zwischenfällen gekommen. Wiederholt sind Frauen und Mädchen von unter Drogen oder Alkohol stehenden Teilnehmern vergewaltigt worden.“ Diese Einschüchterungsversuche motivierten mich dann schon, an dieser Party zu partizipieren. Um es kurz zu halten: Strand, Techno, Vollmond, 30000 Feiersüchtige, Schwarzlicht, Neonbemalung. Ich dachte, dass ich mittlerweile weiß, wie viel ich vertrage, aber wie und wann ich an diesem Abend nach Hause kam, kann ich auch nicht mehr sagen. Wenn ich nach Ausreden suchen will, könnte ich jetzt (wie so viele) behaupten: „Mir hat jemand was in den Drink gemacht.“ Und wenn ich der Wahrheit ins Gesicht blicken will, sagt diese mir: „Das war ein Bucket zu viel, du Trottel!“
Am nächsten Tag wachte ich auf, war fit, alle Sachen noch da, doch die Party verkackt und das Wetter wurde jetzt auch beschissen (Best of Fäkalsprache). Ich nahm eine Fähre zurück zum Festland, kam um 16.30 Uhr an und wollte so schnell es geht nach Ko Phi Phi (keine Fäkalsprache). Also fuhr ich nachts 230km von der Ost- an die Westküste, größtenteils über eine unbeleuchtete Autobahn quer durch den Dschungel. Klingt etwas verrückt, zurückblickend hatte ich jedoch immerhin meine Ruhe, schließlich kamen so gut wie keine Autos vorbei.
Morgens nahm ich direkt die erste Fähre von Krabi und so hatte ich es innerhalb von ca. 20 Stunden vom Dreckswetter auf Ko Phangan zum strahlenden Sonnenschein auf Ko Phi Phi geschafft. Dort fragte man sich wohl, was ich mit dem Fahrrad will, schließlich kann man dort kein Fahrrad fahren, aber die Blöße muss ich mir eben ab und zu geben. Partymäßig war Phi Phi das non plus ultra, aber noch besser war sicherlich die Schnorcheltour. So viele bunte Fischis! Es gibt da nichts zu erzählen, sowas muss man erleben. Zu meiner Euphorie muss ich sagen, dass ich noch nie wirklich schnorcheln gewesen bin.
Nach vier Tagen Party, Sonne, Strand brachte mich meine letzte Fähre nach Ko Lanta, einer eher ruhigeren Insel -> hier wird zum Alkohol zusätzlich noch gekifft, das entspannt. Besonders amüsiert hat mich die Businessstrategie des Fastfoodverkäufers am Straßenrand: Pad Thai und Marihuana. Eine unschlagbare Kombination. Nein, ich kiffe nicht und nein, ich habe auch nichts dagegen. Dennoch musste ich meine Sachen packen, schließlich lief mein Visum aus, ansonsten würde ich mich jetzt immer noch dort rumtreiben. Die Leute, die nach Thailand auswandern, kann ich mittlerweile nachvollziehen. Ich war wirklich sehr traurig, als ich die Insel verließ, hatte ich hier in Thailand doch so viel Spaß gehabt, so viel gefeiert und erlebt und so viele tolle und interessante Leute aus aller Welt kennengelernt. Ich stand da und eine kristallklare Träne entsprang aus meinem Auge, kullerte langsam über meine Wange, bevor sie zum Sprung ansetzte und in die Tiefe stürzte. Im Flug begann mein Herz zu bluten und der tiefe Schmerz des Abschieds prasselte wie faustgroße Hagelkörner auf mich nieder. Die Träne flog und flog, Sekunden, Minuten, Stunden, gar Tage schienen zu verfliegen und in diesem dunkelsten Moment, als die Träne mit einem dezenten „Platsch“ aufschlug, realisierte ich … Malaysia is callin!!! HAHAAA! Bis dann ;)
Bangkok
Cafe
Frisch ausm Meer, Kartoffel und Hühnchen
Nachtfähre von Chumphon nach Ko Tao
Ko Tao
Feuershow...jede Nacht, 7 Tage die Woche
Full Moon Party auf Ko Phangan
Dreckswetter auf Ko Phangan
3 Uhr nachts irgendwo, real...
Ko Phi Phi
Deutschland Fan-Bäume
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