BLOG EINTRAG - #41 KOLUMBIEN

Als ich an meinem ersten Tag im Ausland, also in Österreich, mit einer älteren Dame sprach und ihr erzählte, dass ich u.a. nach Kolumbien will, fasste sie sich mit beiden Händen an den Kopf und rief „Maria!“. Auch andere ältere Herrschaften, die das hier lesen kann ich beruhigen: Die Zeiten Pablo Escobars sind vorbei.

So wie es mit Venezuela seit Jahren rapide bergab geht, geht es mit Kolumbien bergauf. Die meisten Leute, mit denen ich in Medellin zu tun hatte, hatten einen eigenen kleinen Betrieb oder Laden. Ich nenne es den „Colombian Dream“ und es war ziemlich inspirierend, wobei auch gleichzeitig viele Obdachlose unterwegs waren. Dennoch zog mich die Lebensfreude der Leute in ihren Bann. So blieb ich eine Woche, ehe es mit dem Rad losging.

Das Messer und die Pfeife waren außer Reichweite, ich fühlte mich sicher hier. Am zweiten Tag traf ich eine Italienerin, die mit ihrem Brompton Klapprad unterwegs war und nach sieben Tagen Kolumbien von zwei Typen auf offener Straße ausgeraubt wurde. Also doch wieder Messer und Pfeife griffbereit. Kurz Gas geben durch die Kaffeezone bis mit Cali die Welthauptstadt des Salsa erreicht war.

Wie auch in Medellin kann man es nicht von der Hand weißen, dass sich hier eine Vielzahl von Bonitas, Guapas und Lindas, also bildhübschen weiblichen Individuen rumtreiben. Warum? Ist halt so. Eine Feststellung, zu der es nicht mehr zu sagen gibt. Wie es viele schöne Frauen gibt, gibt es auch verdammt viele Fahrradverrückte und Fahrradaktivisten in diesen beiden Städten. Z.b. treffen sich in Cali jeden Mittwoch 500 Leute, um als Gruppe in der Stadt rumzufahren, Spaß zu haben und gleichzeitig eine Message zu senden. Los Angeles bekommt diese Zahl auch hin, jedoch nur einmal im Jahr und nicht einmal in der Woche.

Auch in Cali verging eine Woche wie im Flug, ich hauste bei einem Typ der Psychodelic Happy Cookies vertickt. Wenn man so nah an der Quelle ist, so ein Teil weniger als ein Euro kostet und zudem noch so schön bunt und lecker aussieht, dann kommt man kaum drumrum. Mein Fazit: Nie wieder. Auch wenn ich einige Erinnerungen vor Augen hatte, die ich vollkommen vergessen hatte, gings mir ziemlich komisch. Eher gesagt, verdammt dreckig. Am nächsten Tag, als der Zauber vorbei war, ließ ich mir ein schwarzes Kreuz auf die Hand tätowieren und fuhr weiter.

Es ging in die Anden und zum ersten Mal kann ich ernsthaft von Dreckswetter reden. Aufgrund der Höhe gab es an einigen Stellen auch tagsüber nicht viel mehr als 10°C, zudem jeden Tag stundenlang Regen. Ich bin in den regenreichsten Monat geraten und auch wenn ich mir wasserdichte Kleidung gekauft hatte, irgendwie war ich trotzdem immer pitschnass. Jetzt gab es auch keinen einzigen Tag mehr an dem ich unter 1000m Climbing blieb. Das tut weh und wird es auch weiterhin.

In Richtung Grenze nach Ecuador wurde das Militäraufgebot immer größer, um die Lage zu sichern und die ehemalige/nicht mehr aktive/offiziell nicht mehr aktive/mit großer Sicherheit immer noch aktive FARC in Schach zu halten. Mich betraf es jedoch nicht, ich war immer fleißig am Winken, wenn ich die schwerbewaffneten Soldaten, teilweise sogar gepanzerte Truppenwagen sah. Raus-Stempel rein, rüber, Rein-Stempel rein, Hallo Ecuador!

Medellin
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Cali
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Santurio de las Lachas und seine Jungfrau