BLOG EINTRAG - #40 PANAMA

Panama riecht von oben nach unten nach Bananen.“ So sagte es der Bär zum Tiger in „Oh, wie schön ist Panama“. Tatsächlich roch es beim Grenzübergang am Karibischen Meer, wie auch schon in Costa Rica nach Bananen. Ich fuhr direkt an riesigen Bananenplantagen und den dazugehöhrenden „Bananenghettos“ vorbei, kleinen, von der Chiquita Brands International, Inc. erbauten Dörfchen, in denen die Arbeiter mit ihren Familien wohnten. Die Häuser waren klein und hässlich, einige Kinder lungerten vor ihren Häusern herum, während die Mutter die Wäsche aufhing. Es machte keinen guten Eindruck auf mich, deshalb eben „Bananenghetto“. Leider konnte ich mich auch nicht an den Pflanzen bedienen, da die Früchte unreif geerntet werden, damit sie während des Transports nachreifen können.

In den sonstigen Dörfern und Städten waren die Menschen jedoch sehr freundlich, ich fühlte mich hier sehr sicher und wurde sogar zum Übernachten eingeladen. Z.b. von Noemi und ihrer Familie, die mir erzählten, dass vor einem Tag ganz in der Nähe auf einer Touristeninsel eine Touristin aus den USA ermordet wurde. Was zum Teufel ist los in Mittelamerika!?!

Es gibt nur eine Straße um nach Panama City zu kommen und das ist die Panamericana. Um diese zu erreichen musste ich weg von der feucht schwülen Karibik-Seite und einmal quer über den Berg. 1300m sind zwar nicht (mehr) übertrieben hoch, aber dennoch sind es 1300m.

Es war schon Nachmittag und ich hatte bereits fleißig Höhenmeter auf den Tacho gebracht, aber ich dachte mir, ein bisschen geht noch und dann zelte ich in einem Dorf. Bis auf 600 kämpfte ich mich hoch und hatte noch immer Motivation. Dummerweise wurde es langsam zur Gewissheit, dass ich das letzte Dorf schon verpasst hatte. Es wurde immer nebeliger, dunkler und kälter, kein Wunder das hier niemand wohnt. Ich war voll in den Nebelwald reingefahren.

Vorbei an einem Laster der im Abhang hing, weil er von der Straße gerutscht war. Die dabei stehenden Polizisten sagten kein Wort zu mir, guckten nur verwundert. Die Dichte des Nebels nahm weiterhin zu, man konnte ungelogen nicht weiter als 15m sehen. Dazu war es mittlerweile stockdunkel. Die paar Autos, die noch an mir vorbei fuhren, fuhren nur unwesentlich schneller als ich und ich kroch den Berg hoch. Durch ihre Scheinwerfer und den unfassbar dichten Nebel konnte ich beim Vorbeifahren meine Silhouette 5 Meter vor mir im Nebel sehen. Gruselig. Wenn keine Autos in der Nähe waren, konnte ich mich kaum noch orientieren, konnte kaum erkennen wo die Straße ist und konnte nicht sehen ob es bergauf oder bergab geht.

Auf ca. 1000m fuhr ein Auto aus gegengesetzter Richtung an mir vorbei und hielt an. Eine Männerstimme rief „Hey Mister!“. Sehen konnte ich natürlich nichts und fragte mich was der Typ hier oben von mir will. Ich drehte, fuhr ein Stück zurück und sah die Silhouette eines stattlich gebauten Mannes im Schein eines Blaulichts auf mich zukommen. Schon wieder gruselig. Es war ein Feuerwehrmann. Er erklärte mir, wie super gefährlich es hier oben ist und bot mir an, mich mitzunehmen, damit ich unten bei der Feuerwehr übernachten kann. Aber keinen Meter dieses verdammten Berges werde ich zweimal fahren, das war mir klar. Seine gutgemeinten Überzeugungsversuche halfen nichts, also gab er mir den Tipp, dass sich oben am Stausee ein Wachmann aufhält und ließ mich weiter fahren.

Dann hatte der Nebel das Maximum erreicht und es begann zu regnen. Ich konnte wieder was sehen, dafür war ich jetzt nass bis auf die Knochen. Nach weiteren 45 Minuten sah ich dann den gut beleuchteten Stausee, was für eine Erleichterung. Der Wachmann war auch da und zeigte mir einen Platz, wo ich übernachten konnte. Ich machte meinen Wassersack am Waschbecken des WCs voll und nahm seitlich einer Hütte eine bitterkalte Dusche im Wind. Danach fiel mir ein, dass ich ja noch Instant-Nudeln gekauft hatte. Und tatsächlich hatte der Wachmann eine Mikrowelle in seiner Hütte.

Es war kalt, nass und windig, aber ich war frisch geduscht und hatte trockene warme Kleidung an, das Ziel war erreicht, der alte Rekord war gesprengt, es standen über 2500 Höhenmeter auf dem Tacho und ich hatte einen Platz zum Schlafen gefunden -> es waren mit Abstand die besten 3 Packungen Instant-Nudeln meines Lebens und ohne zu wissen was noch kommt, denke ich, dass es auch dabei bleiben wird.

Am nächsten Tag ging es noch ein Stück höher, zum Quijada Del Diabolo, der Kinnlade des Teufels, einem ca. 150m Stück, auf dem der Wind dauerhaft mit + - 100km/h seitlich über die Straße pfeift. Danach wieder bergab zur Panamerikana und 37° im Schatten bei praller Sonne. Ein letztes Mal Gas geben, Übernachtungen bei der Polizeistation oder bei der Feuerwehr, eine kleine Party zum 600sten Tag der Reise am Strand von Las Lajas und dann war die Metropole erreicht, Panama City und der direkt angrenzende Panama Kanal.

Zwischen Panama und Kolumbien liegt die „Darien Gap“, ein Stück von gut 100km in dem es keine Straße gibt, stattdessen dichten Dschungel womit die Panamericana unterbrochen ist. Allerdings gibt es viele Pfade, die die dortigen Siedlungen verbinden. Gerade mit dem Fahrrad wäre es also super abenteuerlich und definitiv machbar, jedoch aufgrund von Guerillaaktivitäten und Drogenschmugglern seit Jahrzehnten auch ziemlich lebensgefährlich. Insofern bleiben eigentlich nur zwei Methoden übrig: Segelboot oder Flugzeug. Segelboot ist sicherlich wunderschön und auch abenteuerlich, die Betonung dabei liegt jedoch auf teuer. Die Preise sind in den letzten Jahren brutal angestiegen, ab 500$ aufwärts, die Unternehmen machen sich ganz gut die Taschen voll. Glücklicherweise verbinden aktuell drei Flugunternehmen Panama mit Kolumbien, insofern war mit 124€ für einen Flug inklusive 30kg Gepäck die Entscheidung doch recht schnell gefallen. Nach Halbstündiger Diskussion am Flughafen mit bis zu vier Flughafenmitarbeitern und allerhand Schummelei beim Handgepäck schaffte ich es erneut nicht für mein Übergepäck zahlen zu müssen.

Der Blick aus dem Flugzeug auf Panama-City und den winzig erscheinenden Kanal waren großartig und bevor ich realisierte, dass ich gerade exakt 7000 Meilen bzw. über 11.200km von Seattle nach Panama Ciudad geradelt war landete der Flieger in Südamerika. Umblättern, Kapitel 5 beginnt.

#39 Costa Rica --->