BLOG EINTRAG #34 – Belize

Vorerst ging es jedoch nach Belize, einem Land in dem man nicht weiß, wo man ist (es sei denn, man hat es gerade an der Grenze gelesen). Hier wird englisch gesprochen und es gibt viele weiße, die den Tourismussektor beherrschen, viele Maya, die schon immer hier waren und auch noch einige Mayasprachen sprechen, viele Schwarze, die damals als Sklaven aus Afrika hergebracht wurden und einige Chinesen, die jegliche Supermärkte beherrschen. Diese Supermärkte sind unfassbar teuer, tatsächlich war Belize das bisher teuerste Reiseland in dieser Hinsicht. Allerdings lagen auf der Straße allerhand kostenlose Orangen, die die Orangenlaster, die beim Vorbeifahren immer so gut rochen, aufgrund der Straßenqualität verloren hatten.

Im Dorf Hopkins am Karibischen Meer, dachte ich, ich sei in Afrika. Ein traumhafter Ort, um die Symptome einer Lamblien-Infektion auszuleben, die ich mir wahrscheinlich in Guatemala eingefangen hatte. Nie ging es mir schlechter in den letzten 1 ½ Jahren. Doch nach zwei Tagen Hölle im Paradies, brachte ich als kleine Kampfansage direkt eine 120 auf den Tacho. Von diesem Tag ein Zitat von aus meinem Tagebuch: „Hund gibt Huhn Clothline“ -> ein angeleinter Hund will mir hinterher rennen und schleudert mit seiner Leine ein Hühnchen durch die Luft. Manchmal sind es eben die kleinen Dinge, die einem große Freude bereiten. Nach dem Hund in Georgien, der mit Vollspeed gegen ein Verkehrsschild knallte, dem Motorradunfall in Myanmar und den Mädels auf dem Fahrrad in Indonesien, schon der vierte Strike, den ich nur durch meine Anwesenheit verursacht habe.

Ich fuhr weiter Richtung Süden, wo es eine Fähre nach Guatemala gab, die aber mindestens 30U$ + vielleicht 10U$ fürs Fahrrad + 20U$ Ausreisegebühr (normal in Belize), also insgesamt 60$ gekostet hätte. Auf Google Earth hatte ich noch eine andere Straße nach Guatemala gesehen, über die es aber keine Informationen im Internet gab und auch niemand in den naheliegenden Dörfern Auskunft geben konnte. Diese Option roch also schwer nach illegalem Grenzübertritt. Ich erzwang die Entscheidung ganz klassisch mit einem Münzwurf, war mit der Meinung des Belize-Dollars jedoch nicht zufrieden, flippte die Münze weitere zwei Male bis was gescheites bei rauskam und machte mich dann auf den Weg in die Berge zum besagten Übergang. Vorm allerletzten Dorf, gab es einen Soldat, der sich hier um den Agricultural Check kümmert. Er fragte, was ich hier mache, erzählte mir, dass er keinen Ausreisestempel hat und es auch keine Imigration gibt, am besten solle ich mal mit dem Dorfpolizist reden, der sei vielleicht vorne an der Abzweigung. An der Abzweigung sagte man mir, er sei im Dorf. Im Dorf sagte man mir, der sei in seiner Polizeistation, genauer gesagt einer Polizeihütte. Die war jedoch zu und man sagte mir, er sei an der Abzweigung. Dann sagte man mir, vielleicht ist er morgen wieder da … oder auch nächste Woche. Auf dem Weg zurück zur Abzweigung fand ich ihn bei ein paar Mechanikern im Garten stehen. Er sah etwas zugedröhnt aus. Mir war klar, dass es hier nichts zu holen gibt und ich überlegte, ob ich diesen verdammten Berg wieder runter fahre und doch die Fähre nehme oder ob ich einfach so rüber fahre. Er fragte mich also, was ich hier wolle, ich erzählte ihm relativ hoffnungslos, dass ich rüber nach Guatemala will und einen Ausreisestempel brauche. Er schien mir etwas verwirrt, nickte aber, also hatte er wohl verstanden, was ich ihm erzählt hatte. Er schwung seine Rucksack nach vorne, öffnete ihn langsam und holte, hier mitten im Garten von den Mechanikern ein Stempelkissen hervor. Darauffolgend ein Stempel und noch eine Liste. Ich konnte es nicht fassen, schaffte es aber erfolgreich meine Freude zu unterdrücken. Er trug meine Daten in die Liste ein, die eigentlich nur für Leute gilt, die hier im Grenzgebiet arbeiten und für z.B. einen Tag rüber müssen, klatschte den Stempel in meinen Ausweis, unterschrieb und sagte „Listo“ (fertig). Dass die Ausreisegebühr für mich eigentlich 20U$ kostet verriet ich ihm nicht, bedankte mich, fuhr um die Ecke und lachte mich erstmal kaputt. Die Straße führte über einen Fluss und hörte dann einfach auf, aber ich sah ein paar Leute aus einem Trampelpfad herauslaufen und kam ihnen entgegen. Sie sagten, dass da Guatemala sei. In dem Moment kam ein bewaffneter und zutätowierter Militäry auf uns zu und fragte, was ich hier mache. Ich sagte, ich gehe nach Guatemala. Er sagte, dass das Ärger geben könnte, da ich ja keinen Stempel habe -> d.h. er hätte mich dennoch rüber gelassen. Ich zeigte ihm den prachtvollen Stempelabdruck und er verabschiedete mich. Die Gruppe aus Guatemala, die wohl illegal hier rüber wollte (also sowas!), schien er nicht reinlassen zu wollen, das war mir aber egal.