BLOG EINTRAG #28 – USA (Part1)

Nachdem das letzte Wochenende in Sydney verbracht wurde, war damit meine Zeit auf dem Kontinent Australien abgeschlossen und der große Flug konnte beginnen. Nach Seattle gibt es keine Direktflüge, die meisten fliegen über Hawaii, die beste Möglichkeit also diese Insel zu besuchen, die so weit weg von daheim und so verdammt teuer ist. Am 18. Juli Nachmittags in den Flieger, durch die Nacht und am 18. Juli morgens gelandet. Ich bin noch immer verwirrt, aber es stimmt so.
In Honolulu angekommen, sah ich unweit des Flughafens vorerst unzählige Obdachlose und ein paar Kilometer weiter am prestigeträchtigen, aber vollkommen touristisierten Waikiki Beach unzählige Wohlhabende, die sich diese Hotelzimmer dort leisten konnten. Die Arm-Reich-Schere bildet hier einen stumpfen Winkel. Glücklicherweise erhielt ich dann im letzten Moment noch eine Zusage auf warmshowers und konnte auf der anderen Seite der Insel bei einer Familie übernachten. Noch besser, es waren Ferien und die Hälfte der Familie Barnes war nicht daheim, nur der Vater, Shane und sein 14jähriger Sohn Tad waren da und deshalb luden sie mich ein, die ganze Woche dort zu bleiben. Während Shane noch arbeiten musste, konnte ich das Zweit-Auto nehmen und mit Tad die Insel auschecken, alles umsonst. Ein 6er im Lotto! Das Fahrrad ließ ich die ganze Woche in der Garage stehen und fasste es nicht an. Stattdessen gingen wir Surfen, Klettern, Klippenspringen, Schnorcheln, Kajakfahren, guckten Fernsehen und tranken Hawaiianisches Bier, machten BBQ und feierten meinen Geburtstag. Es war der Urlaub vom Urlaub, was nach einer ziemlich arroganten Frechheit klingt, aber andere Langzeit-Tourenradler werden eventuell verstehen, das sowas mal verdammt gut tut.
Nach dieser vollkommen entspannten Woche ging es mit dem zweiten Teil der Pazifiküberquerung nach Seattle, wo ich von meinem ehemaligen Mitbewohner aus Berlin, Robert, 30 in Empfang genommen wurde. Nachdem wir unsere Vorbereitungen abgeschlossen hatten, Seattle mit seiner Space-Needle und dem Ur-Starbucks besichtigt hatten und uns ganz legal mit etwas Cannabis eingedeckt hatten, konnte es losgehen, raus in die Natur!
Gleich in der ersten Nacht hatten wir Probleme Unterschlupf zu finden. Wir fragten etliche Leute in einem Dorf, doch es war nirgends erlaubt zu Zelten, keiner wollte uns seine Wiese anbieten und wir wurden mehrmals vor der kontrollierenden Polizei gewarnt. Mit Gedanken an Indien oder Indonesien, gingen wir also direkt zur Polizeistation und fragten dort nach Hilfe. Die Tür war offen, was so jedoch nicht gewollt war und ich wurde mit Taschenlampe ins Gesicht gerichtet rausgebeten (-worfen), um vor der Tür weiterzureden. Wie zu erwarten, wurden wir nicht zum Übernachten eingeladen, aber wir sollten doch zu diesem einen Nationalpark, ein paar Meilen weiter, fahren. Dort angekommen, sagte uns der dort anwesende Ranger, dass dies nicht erlaubt ist, wies uns aber darauf hin, dass wenn er draußen ist, bis zum Morgen keiner kontrollieren wird und wir deshalb eigentlich dort campen können, solange wir alles sauber hinterlassen. Jedoch sollten wir die paar Minuten noch außerhalb warten. Also warteten Robert und ich in der Abzweigung außerhalb der Schranke, aßen im Dunkeln zu abend und öffneten eine Dose Bier. Exakt 7,3 Sekunden, nachdem der Ranger rausfuhr, fuhr ein Auto in die Abzweigung und leuchtet mit seinen Scheinwerfern auf uns. Es war der Sheriff. Wie man es aus irgendwelchen Filmen kennt, suchte er nach einem Grund, um uns eine reinzudrücken. Was wir hier machen, der Park ist nachts geschlossen, blabla. Ihr habt da Bier! Das ist Public Drinking (hier mitten im Wald)! Wieviel habt ihr heut schon getrunken, dafür müsst ihr eigentlich blechen, packt jetzt zusammen und verschwindet. Glücklicherweise bekam er dann einen Anruf, der scheinbar unwesentlich wichtiger gewesen sein muss, als uns dort wegzuschicken. Also warnte er uns, dass wenn wir nicht in 30 Minuten verschwunden sind, er uns verhaften wird und verschwand im Dunkeln, während wir uns in den Park schlichen und uns innerlich für diesen netten Willkommensgruß bedankten. In den nächsten Tagen, in denen es durch die wunderschöne Natur ging, fragten wir keine Leute mehr bei der Schlafplatzsuche, sondern wildcampten einfach so.
Hoch zum faszinierenden Tipsoo Lake auf 1615 Meter und wieder runter, um an einen fabelhaften Flusslauf zu campen. Dort konsumierten wir auch unser in Seattle erworbenes Strawberry Mango Haze. Als blutiger Anfänger, der sowas in 26 Jahren noch nie gemacht hat (ich weiß, wie verdammt uncool ich bin), muss ich sagen, dass es tagsüber auf einer Radtour keine gute Idee ist. Erst um 14.00 Uhr konnten wir starten, nach 15 Kilometern lagen wir auf einer Wiese und schliefen 2 Stunden und schafften dann doch noch irgendwie 25 Kilometer. Nachdem wir einen Tag später bei 10 Grad im Dauerregen den nächsten Pass erklommen hatten, waren wir wieder clean. So clean, dass wir am darauffolgenden Tag erneut versuchten Leute zu finden, die uns in ihrem Garten zelten lassen könnten. Es funktionierte diese Mal auf Anhieb und wir konnten bei Rex in der Nähe von Battleground zelten. Ein echter Amerikaner, so wie man sich ihn vorstellt. Stolz präsentierte er uns seine Waffensammlung und lud uns ein, etwas rumzuballern. Ich als Kriegsdienstverweigerer und Robert als Semi-Pazifist, hatten außerordentlichen Spaß, von seinem Balkon mit dem Sniper-Gewehr auf Dosen zu schießen. Wir werden nochmals beraten, aber vielleicht sollten wir uns doch eine eigene Knarre für 14,99$ im Walmart kaufen. Kulturgut! In Portland angekommen, kamen wir in einer Punk-Kommune unter und verbrachten dort ein extrem bieriges Wochenende. Vollkommen zurecht, denn mit über 100 Brauerein, darf man Portland wohl als Bier-Mekka bezeichnen. Deshalb werden wir auch jede Brauerei noch sieben mal gegen den Uhrzeigersinn umrunden und dann geht es weiter an die Küste und Richtung San Francisco, wo wir versuchen werden die Facebook Headquarters einzunehmen. Postet euer Essen und teilt Katzenvideos so lange ihr noch könnt! Bis dann!
Hawaii
Seattle to Portland
Blog #27--->