BLOG EINTRAG #24 – TIMOR-LESTE

Ein Land von dem die wenigsten wissen, dass es existiert, geschweige denn, wo es liegt. 1,17 Mio. Einwohner, 15000km², ehemals kolonialisiert von Portugal, Währung ist der US Dollar, 60% der Bevölkerung ist unter 16 Jahre alt, eine Familie hat im Durchschnitt 7 Kinder. Ich warf in Dili ein wenig Ballast ab und begab mich auf die Ehrenrunde für Asien. Über die ruhige und gut asphaltierte Straße der Nordküste , ging es Richtung Osten, um ans äußerste Ende Timors und der dort anliegenden Insel Jaco zu gelangen. Angeblich sei sie heilig und man dürfe sie nicht betreten, aber sobald das Geld ins Spiel kommt, ist sie doch nicht mehr so heilig. Schlappe 10$ kostete die Überfahrt (700m) in einem kleinen Fischerboot, verhandeln unmöglich, Alternativen keine. Wahrscheinlich die teuerste Bootsfahrt der Welt! Zum Vergleich: Die Fähre von Flores nach Timor (350km, 20h) hatte den selben Preis. Belohnt wurde ich mit einer einsamen und unbewohnten Insel, Stränden mit einer blendenden Weißheit, die man nur aus Werbefilmen von Zahncremeherstellern gewöhnt ist und einem Meer mit einer Blauigkeit à la Harald Juhnke. Meine Theorie war logisch: Wo es schön ist, fühlt sich auch ein Krokodil wohl. Ich hielt eine kleine Krokodiljagd-Trainings-Session ab und begab mich auf die Suche. Mehrere Stunden lang dauerte diese, doch sie blieb erfolglos. Also ließ ich mich vom Fischerbot zurückbringen und kämpfte mich die 8km den Berg hoch zurück zur Hauptstraße. Dieser war teilweise so steil, dass ich das Bike mit Motivationsschreien im Stile einer Bulgarischen Kugelstoßerin den Berg hochdrückte. Als ich am größten See des Landes vorbei fuhr, wo nichts und niemand war, hörte ich in einer Trinkpause beim Ansetzen der Flasche plötzlich ein gruseliges Geräusch. Es klang wie das Ausatmen eines Monsters. Achtsam folgte ich dem mysteriösem Klang, welcher mich zu einem Fluss führte. „Ziemlich idyllisch“, dachte ich mir, doch dann erspähte ich es: Ein ca. 6m langes Leistenkrokodil, das vor meinem Geäug vom Ufer in den Fluss gleitete. Der Puls schoss nach oben, mein Killerinstinkt war geweckt und wie auf Komodo, war ich bereit das Ungetüm auseinander zu nehmen. Dieses Mal war auch niemand da, um mich und meinen Blutdurst zurückzuhalten. Dann jedoch stellte fest, dass ich meinen Magic Stick, also den Bambusnahkampfstab auf Jaco Island vergessen hatte. Ohne diesen war ich machtlos und konnte das Ungetüm nur mit einem exakt kalkulierten Abstand inklusive Sicherheitsbeiwert λ beobachten. Hauptsächlich bewegte es sich nicht und das war auch sein Trick, auf den ich reinfallen sollte, doch ich ließ mich nicht verführen und benutzte meinen Verstand sowie den Zoom meiner Kamera. Als dann auch noch ein zweites Croc aufkreuzte und ein drittes sich vom gegenüberliegenden Ufer ins Wasser schlich, sah ich die Übermacht meines Feindes ein, warf das Handtuch und machte mich aus dem Staub. Ganze 150m weiter führte eine fragwürdige (Brücken?-)Konstruktion bestehend aus zwei verrosteten Doppel-T-Trägern, die jeweils mittig mit verrosteten Schrauben verbunden waren und wiederrum auf einer wackeligen Holzkonstruktion lagerten, über den Fluss. So gut hatte ich damals in Statik auch nicht aufgepasst, aber dass dies der DIN 1072 entsprach, konnte ich ausschließen. Ingenieursmäßiges Denken war gefragt und ich stellte fest, dass ich gar nicht in Deutschland war, sondern in Osttimor. Damit war klar, dass die herrschende Belastung die ertragbare Belastung nicht überschreiten wird und ich nicht als Krokodilfutter enden muss. In der nächsten Stadt, Lospalos, in der ich stolz preisgab Crocs gesehen zu haben, erzählte man mir, dass die drei Kollegen dort seit Jahren leben und vor wenigen Wochen einen Local und zwei Touristen verspeist haben, die scheinbar auf den „ichbewegmichnicht“-Trick reingefallen sind und extra nah ran gingen, um mit ihren Mobiltelefonen Fotos zu machen. Ich mein … verdammt, da willst du bisschen Urlaub machen und dann wirst du von einem Croc vernascht. Deswegen an dieser Stelle zwei Reisetipps: 1. Benutzen Sie ihren Zoom und 2. Machen Sie ein paar Trockenübungen mit Ihrem Selfiestick bevor Sie ihn benutzen, um herauszufinden, welche Vorteile er Ihnen in welcher Situation verschaffen kann. Von Lospalos ging es Richtung Süden. Die Straßen waren unvorstellbar schlecht. Teilweise liefen Kids neben mir her, als ich bergab fuhr, da die „Straße“ nicht mehr als 5 bis 6 km/h zuließ. Meine Offline Navigation Application zeigte eine Hauptstraße am Strand an. „Strand ist gut“, dachte ich und wählte diese Route. Glücklicherweise bin ich mit dem Fahrrad unterwegs, denn mit keinem anderen Fahrzeug (außer einem Panzer … fast das selbe) wäre man hier durchgekommen. Es war ein dünner Pfad mitten durch den Urwald, der wie ich später feststellte, auch auf keiner anderen Karte eingezeichnet war. Weicher Humus als Fahrbahn, teilweise schlammig, immer wieder lagen große Bäume quer auf dem Weg, wenig Licht, das durch die dichten und hohen Bäume einfiel, feuchte Luft, die Symphonie eines Zikadenorchesters, unterlegt vom Klang ein paar sich boxender Affen. Gab es eine Lichtung, war es meist ein Fluss, der durchquert werden musste. Teilweise konnte man danach den Weg nicht mehr finden und musste sich vorerst auf die Suche machen, um fortfahren zu können. Ja, es war ein wahres Abendteuer und inmitten dieses Dschungels, traf ich an einer Hütte plötzlich ein paar Kids, die fette Beute gemacht hatten. Die kleineren hatten mit ihren Steinschleudern in sechs Stunden Jagd drei Graue Kuskuse von den Bäumen geschossen und der größte der Bande hatte in dreistündiger Jagd mit seinem Speer eine drei Meter lange Python erlegt. Die Mutter kam aus der Hütte und drückte mir ein dickes Stück frisch geräucherte Python in die Hand, ich solle mal probieren. Ich ließ mich nicht zwei Mal bitten und naschte an diesem edlen Stück Fleisch. Etwas zäh, eine leicht wilde Note, aber der typische Räuchergeschmack, insgesamt ein gelungenes Gesamtkunstwerk. Dazu der gute Gewürz-Curry-Ketchup von Hela, ein deftiger Kartoffelsalat, frisches Baguette und ein kühles frisch gezapftes Pils…naja…nächstes Mal. Glücklicherweise kam nach dieser Hütte noch eine zweite, letzte Hütte, denn es war bereits später Nachmittag und ich wollte keineswegs im Dunkeln durch den Urwald fahren. Also blieb ich dort, durfte im traditionellen Haus auf Pfählen schlafen und bekam sogar Abendessen. Reis mit irgendeiner Fleischsorte. Einer der Urwaldmenschen wollte mir durch Imitation der Geräusche erklären, um welches Tier es sich handelt, aber wirklich familiär kamen mir diese nicht vor. Ich denke, dass es Flughund war, was ich dort zu Abend aß, ein Gaumenschmaus. Aus dem Dschungel raus, an der Südküste entlang Richtung Westen und quer über die Insel zurück Richtung Dili. Dazu musste ich noch einmal ganz hoch hinaus, doch das fiel ziemlich leicht, da ich wusste, dass es der letzte Berg der nächsten Wochen/Monate sein wird. Mount Ramelau, mit 2963m der höchste Berg des Landes und auch der Insel. Um zum Sonnenaufgang oben zu sein, sollte man um 3.30 Uhr am „Basecamp“, dem letzten Ort auf ca. 1900m starten, was ich, wie zu erwarten, nicht schaffte. Eine Stunde zu spät, galt es die verlorene Zeit aufzuholen, also „sprinntete“ ich mit meiner Taschenlampe mutterseelenallein im Stockdusteren diesen Berg hoch. Die Rechnung gab es mit einem unfassbaren dreitagelanganhaltendem Muskelkater … nein, Radfahren hält nicht sonderlich fit. Zudem war es dort oben auch noch kalt! Es muss in Nepal, am Fuße des Himalaya gewesen sein, dass ich zum letzten Mal solche Kälte gespürt habe. Und der Rest, naja, der war eben unglaublich. Entspannte vier Stunden verbrachte ich oben und guckte links, rechts und geradeaus, hauptsächlich aber zurück. Nepal, Indien, Myanmar, Thailand, Malaysia, Indonesien, Timor-Leste, das waren gut fünfeinhalb Monate Asien. Gute fünfeinhalb Monate Asien. … Mir fehlen die Worte, ich glaube, ein Flieger wollte mich nach Australien bringen oder so. Die Flughafenmitarbeiter wurden kurzerhand mit Donuts bestochen, damit ich die 65$ Gebühren für Übergepäck, das sie mit einer Körperwaage ermittelt hatten, nicht bezahlen musste. Es war der letzte, sehr süße Liebesbeweis dieses Landes. Bye bye Timor, bye bye Asia, es war echt dufte bei dir!

Nordküste
einige meiner vielen vielen Gastgeber
traditionelle Häuser
Jaco Island
Tha Crocs
<- DIN 1072 ? Eher nicht
Lospalos - Graffiti & Basketball, beste!
Welcome to the jungle
normale Straße im Süden Timors
um aufgebrezelte Girls zu watchen, am besten Sonntag morgens mal zur Kirche gehen
Air BnB wirbt mit außergewöhnlichen Übernachtungs- möglichkeiten? Ihr könnt einpacken, das hier ist for free!
100% FRESH EGG
Mount Ramelau - 2963m
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