BLOG EINTRAG #22 - INDONESIEN (Part 1: Sumatra & Java)

Während die Beladung der Fähre auf malaysischer Seite noch relativ ordentlich abgehandelt wurde, wurden die Gepäckstücke auf indonesischer Seite einfach auf den Steg gefeuert. Wie tollwütige Ameisen an einem saftigen Gummibärchen, versuchte jeder mit Schieben und Drängeln sein Hab und Gut zu schnappen, um anschließend die Passkontrolle zu passieren. Auch ich tat dies, jedoch eher im Stile eines nach einer Guave greifenden Zwergfaultiers. Das Visa on arrival, musste zum Glück bezahlt werden. “Zum Glück“, da die kostenlose Version nicht verlängerbar ist, ich jedoch etwas länger brauchen werde.
Aus dem Hafen raus und sofort ist die Polizei auf einem Roller neben mir, bringt mich aufs Revier, um mir ein gutes Kilo Mangostanen zu schenken und mich zum Übernachten einzuladen. Nach diesen 3 Minuten auf Sumatra, war mir klar, dass es hinsichtlich der Übernachtungsmöglichkeiten ein einfaches Spiel werden wird. Es war mir jedoch noch etwas zu früh, um den Tag zu beenden, also erstmal weiter.
In Dumai kam plötzlich ein Fahrradfahrer auf mich zu und meinte „You are Dennis!“. Er sagte, ich solle ihm folgen, wir gehen was essen und ich kann bei ihm übernachten. Vollkommen verwirrt dauerte es mehrere Sekunden bis sich die Zahnräder im Kopf zu drehen begannen und ich mich an das Foto am Hafen in Malaysia erinnerte. Der Typ den ich dort getroffen hatte, hatte es an einen bekannten geschickt, der musste jedoch arbeiten, also hatte er es wiederum an den Typ auf dem Fahrrad weitergeleitet, der mich dann doch relativ glücklich in dieser 300.000 Einwohnerstadt fand. Sein Name war Ifal und er hat einen Foodwagon in dem er Abend für Abend die Burger flippt und zusammen mit seiner Kollegin zu feinster Reggae Musik serviert. Sein mobiles Restaurant nennt sich Chef Burger, inspiriert durch den Film „Chef“. Das darf sich der Leser im Hinterkopf behalten, vielleicht werde ich in Zukunft nochmal darauf zurückgreifen.
Nach zwei Nächten, sieben Burgern und einem neuen freshen Haircut ging es also los. Viel Verkehr, kein Seitenstreifen, dauerhaft 30m hoch, 30m runter und nicht wirklich was zu sehen außer unzählige Palmen. Will ich so die nächsten 1300km bis nach Java weiterfahren? Nicht wirklich. In Pekanbaru kam ich bei Tasman, 60, warmshowers-member unter, eine Connection, die ich aus Dumai bekommen hatte. Mit ihm ging ich die Möglichkeiten durch: entweder die nächsten 1200km so weiter oder nochmal 350km und etliche Höhenmeter drauflegen und nach West-Sumatra. Es war eine spontane Entscheidung, aber sie war 100% richtig, West-Sumatra! Schon auf dem Weg dorthin wurde ich mit einem wunderbaren, im Dschungel gelegenen Wasserfall belohnt. Touristen verirren sich hier wohl eher selten hin, deshalb durfte ich in den 2 Stunden dort an die 100 Selfies geben (keine Übertreibung). Auf Dauer etwas stressig, aber die Leute waren zu freundlich, deshalb wollte ich keinem seinen Wunsch verwehren. Abends landete ich bei einer Hochzeitsparty in einem Dorf. Auch dort hat man wohl noch keinen Tourist gesehen, so hatte ich das Gefühl, dass ich interessanter als das Brautpaar war und auch der angestellte Fotograf schoss lieber Selfies mit mir, statt die Party zu dokumentieren. Der weibliche Teil der Familie des Brautpaars zeigte am nächsten Morgen eindrucksvoll, was Moderner Islam heißt. Klick!
Auf dem weiteren Weg Richtung Westen gönnte ich mir, wie fast jeden Tag, ein Paddle Pop Eis, plötzlich kam von der anderen Straßenseite einer auf mich zu und meinte „You are Dennis!“. Hatten wir das nicht schon? Dieses Mal hatte der Kerl ein Foto auf Facebook gesehen, das Tasman hochgeladen hatte. Sumatras Fahrradszene scheint gut vernetzt zu sein. Es gab eine Einladung, aber ich musste weiter nach Padang, womit ich die Westküste erreicht hatte. Erneut via warmshowers, bei Afif, 26, bei dem auch Cyril, 30 aus Frankreich zu Gast war. Er wollte Richtung Süden, all the way bis Jakarta auf Java, verrückter Typ! Zufälligerweise wollte ich dort auch hin. So kam es dazu, dass zum ersten Mal meine „I’m a poor lonesome cowboy“-Gesänge verstummten. Und jetzt zahlte es sich auch so richtig aus den Umweg genommen zu haben. Kaum/Kein Tourismus, einsame Strände, wunderbare Flüsse, traumhafte Landschaften. Cyril war der glückliche, der in dieser Idylle seinen Geburtstag feiern durfte. Als der Monsun wie jeden Nachmittag/Abend einsetzte, spielten wir mit einer Horde Kids Fangen im Reisfeld und sprangen von Bäumen in einen Kanal. Dann konnten wir in dem Laden im Dorf sogar noch Muffins und tatsächlich auch Geburtstagskerzen finden. Wenn man `nen Lauf hat, hat man `nen Lauf. Es war sicherlich der beste 31te Geburtstag seinen Lebens.
Wie erwähnt stellt man in den ganzen kleinen Dörfern als Weißbrot ein besonderes Highlight dar und wenn es dann auch noch gleich zwei dieser Sorte sind, ist natürlich die Hölle los. Beim Vorbeifahren, schalte es stets aus allen Ecken „Hey Mister!“, bis zu 200 Mal am Tag (keine Übertreibung). Selfie hier, Selfie da, Nasi Goreng, Mie Goreng, Straßen überwiegend in gutem Zustand, tagsüber stets brütend heiß bei dennoch hoher Luftfeuchtigkeit, abends musste man die Schlafplatzsuche gut timen, um noch das maximale an Kilometern rauszuholen und trotzdem trocken zu bleiben. Hauptsächlich zelteten wir bei Moscheen, aber es gab auch private Einladungen. Gerade, als wir uns richtig an die Zweisamkeit gewöhnt hatten und „It takes two, to make a thing go right“ anstimmen wollten, fiel mir auf, dass ich meine Powerbank und einen Ladeadapter ein Tag zuvor vergessen hatte. Cyril hatte Timetrouble, da sein Bruder ihn in Jakarta besuchen kommen wollte und er noch sein Visum verlängern musste, ich musste jedoch (per Bus und Anhalter) meine Sachen wieder holen, also trennten uns unsere Wege bzw. nahmen wir genau den selben Weg, nur mit einem Tag Abstand. Dumm gelaufen, aber der ganze Visa-Stress (ihm wurden auch die 60 Tage in KL verweigert) zwingt einen dazu, wirklich auf jeden Tag zu achten.
Also gab es den Rest im Alleingang zu bewältigen, wobei jeder Gang des Fahrrads benutzt wurde. Die Finger an der Schaltung glühten, es ging immer wieder Up and Down, wie die Vengaboys zu ihren besten Zeiten. 14875 Höhenmeter in 1885 km, das schmerzt, vorallem wenn am Berg der Ventilator (Fahrtwind) ausfällt. Ich dachte meinen Körper nach 25 Jahren zu kennen, aber was meine Schweißdrüßen unter diesen Bedingungen zu leisten im Stande sind, war mir nicht bekannt. Sumatra hatte einen Wasserfall mehr. Einige Steigungen waren so extrem, dass die Zick-Zack-Technik die einzige Möglichkeit zur Auffahrt darstellte.
Um die Westküste Richtung Java zu verlassen musste ich quer durch den Barisan Selatan Nationalpark, in dem u.a. der Sumatra-Elefant, das Sumatra-Nashorn und der Sumatra-Tiger zu Hause sind. Einen Zaun gab es nicht, es ging mitten durch den Dschungel, aber hier ein größeres Tier zu Gesicht zu bekommen, ist dann doch eher unwahrscheinlich. Zuviel Lärm von Autos und Motorrädern und im ganzen Park gibt es z.B. nur noch geschätzte 35 Tiger. Auf 3568km² macht das 102km² pro Tiger. Geräumig, aber doch eher eine traurige Bilanz.
Auf dem Weg nach Lampung, der letzten großen Stadt im Süden, versuchte ich über meine bisherigen Hosts auch hier eine Connection klar zu machen, jedoch ohne Erfolg. Ich verspeiste wie so oft Nasi und Ayam (Hühnchen und Reis) und just in dem Moment, als ich aus dem Restaurant herausging, machte ein Typ mit seinem Scooter einen wilden Turn, fuhr direkt auf mich zu und sagte völlig aufgebracht „You are Dennis!“. Schon wieder?!? Er, Rio, 25, warmshowers-member, hatte das Bild von Afif aus Padang und mir auf Facebook gesehen. Ja, sie sind wirklich verdammt gut vernetzt hier. Er gab mir die Adresse von einem anderem warmshowers-member, wo ich übernachten konnte und wo am Abend die ganze warmshowers-Crew Lampung zusammenkam, von der mich ein Teil am nächsten Morgen bis zur Stadtgrenze begleitete. Noch einmal den Berg hoch, noch einen Platten (no. 3), auf die Fähre und samt Bike für etwa 1,53€ von Sumatra nach Java. Diese ist die Insel mit der höchsten Bevölkerungsdichte und damit auch dem schlimmsten Verkehr. Etwa 100 Kilometer waren es von der Fähre bis nach Jakarta, der Hauptstadt Indonesiens. 100 grauenhafte Kilometer. Hässlich, überfüllt, kaum Platz zum Ausweichen, Dieselwolke in your face! Zum Glück wusste ich von Erfahrungsberichten schon im Vorraus, dass Java nicht der beste Platz zum Pedalieren ist und da ich aufgrund der visabedingten Zeitknäppe sowieso ein Teil Indonesiens auf dem Weg Richtung Osten auslassen muss, war die Wahl mit Java bereits gefallen. Für das Überspringen gab es jedoch zahlreiche Möglichkeiten, Zug, Fähre, Flug, die preislich verglichen werden mussten, wobei die Zeit bis zum Ablauf des Visums im Auge behalten werden musste (30$ Strafe pro Tag ohne gültiges Visum) und dennoch der Erlebnisfaktor am Ort der Visa extension hoch gehalten werden sollte, da diese bis zu einer Woche dauert, bevor man seinen Pass wieder abholen kann, wobei man zwischenzeitlich nochmals vorbei schauen muss. Auch ein Visa Run wäre eine Option gewesen, z.B. nach Singapur fliegen und wieder einreisen für ein neues 30 Tage Visum, in dem Fall sogar kostenlos.
Angekommen bei meinem Host in Jakarta, Hendro, 56, warmshowers-member, Besitzer von 7! Fahrrädern, Connection von Tasman aus Pekanbaru (das Netz ist Insel- und Länderübergreifend), gingen wir die Optionen durch und ich musste mich schnell entscheiden. Um zu unterstreichen, dass ich auch nach über 14000km noch immer auf dem Boden geblieben bin, wählte ich die Variante … Flug :) Das der Boy fly ist, bestätigte auch die Fedtang-Crew, die am Abend zusammenkam und der ich meine Geschichte mit allen Details erzählen durfte und Tipps gab. Feierlich wurden mir T-Shirts geschenkt, ich als Ehrenmitglied aufgenommen und mein Fahrrad mit Stickern gepimpt.
Nach einer kurzen Stadtbesichtigung Jakartas am nächsten Tag, in der es aber nichts Besonderes zu sehen oder zu tun gab, war Java für mich beendet. Sicherlich gibt es auf dieser Insel wunderbare Dinge zu sehen und tolle Sachen zu erleben, doch ich musste zum Flughafen. Flug und 16kg Übergepäck für zusammen 54€, das kann sich sehen lassen. Wer im letzten Blog-Eintrag mal zwischen den Zeilen gelesen hat, weiß, wo der Flug landet. Ich wollte für die Visaverlängerung einen Ort, an dem es sich aushalten lässt, oder so. Wer diese Spitzfindigkeit nicht aufweisen kann, kann einfach mal auf der Karte den aktuellen Standort checken. Wer dazu ebenfalls unfähig ist verpasst sich bitte jetzt eine Backpfeife. Für den nächsten Blogeintrag, kann ich dieses Mal leider wenig Ansagen machen, ich weiß selbst nicht genau, was auf mich zukommt. Nach Möglichkeit werde ich mich auf die Suche nach einer Echse begeben, die an guten Tagen schonmal einen Wasserbüffel platt macht und ich hoffe bevor mein verlängertes Visum abläuft, ein Land zu erreichen, von dem nach meinen Schätzungen mindestens 98% der Deutschen nicht wissen, dass es existiert bzw. wo es sich befindet. Also, dran bleiben, es bleibt spannend und bei entsprechender Internetgeschwindigkeit, lässt das nächste Update auch nicht so lange auf sich warten. Tschö mit Ö!
Ankunft am Hafen von Dumai
Best Burger in Town!!!
Pulo Simo Waterfall ... irgendwo hinter Pekanbaru
Bin-Tang Clan ain't nothing to fuck with!
Afif, the man who brought us together!
Luxus sieht anders aus...
...nämlich so.
Birthday Party!!!
Steilster Berg der Tour bis dahin.
Er kostete mich 2 Paar Bremsbacken.
Lampung Bicycle Crew.
Ankunft in Jakarta. Indonesia Part 1: Done!
Fedtang Bicycle Crew
Wie mir später erzählt wurde, steht Lion Air auf der schwarzen Liste. Whatever...