BLOG EINTRAG #17 –NEPAL

Des Rätsels Lösung ist also Nepal! Wer denkt, man könnte so willkürlich um die Welt fahren liegt falsch! Da man nicht in jedem Land ein visa-on-arrival erhält oder sich online anmelden kann, muss man ab und zu Botschaften der kommenden Länder in die Route einbauen. Kathmandu ist da wohl eine der außergewöhnlicheren Lösungen, aber meiner Meinung nach ziemlich clever :P

Ein Freund schrieb mir: „Du willst die Kälte umfahren und fliegst in den Himalaya?“ Aber alles halb so wild, schließlich liegt Kathmandu gerade mal auf etwa 1300m und auch im November liegen die Temperaturen bei angenehmen 24°C während es nachts meist nicht kälter als 10°C wird.

Das erste Mal also ein „klassisches“ Reisefeeling. Während Kulturen und Landschaften für mich eher fließend übergehen, wurden hier innerhalb von wenigen Stunden 2750km überbrückt und ich war plötzlich in dem Asien, wie ich es mir vorgestellt habe. Buddhismus, Hinduismus, Tee, Räucherstäbchen, scharfes Essen, Reis!

Fliegen mit Fahrrad ist zwar nicht sonderlich spaßig, aber es lief alles glatt. Die Box kam brav über das Gepäckband gelaufen, kein Kratzer, kein Loch, erste Sahne! Aufbauen, Räder laufen, Licht funktioniert, Wahnsinn! Nicht schlecht für mein erstes Mal :)

Nachts ging es dann noch quer durch das kaum beleuchtete Kathmandu, vorbei an kämpfenden Straßenhunden und mit einem geschickt konfiguriertem Duft aus Räucherstäbchen und Abfall in der Nase. Das ganze auf der linken Seite. Durch dunkle Gassen führte mich das Navi an mein Ziel: Sujan, 22, Couchsurfing Newbe. Als kleines Begrüßungsgeschenk gab es einen Stromausfall. Der schaut jedoch jeden Tag mindestens einmal vorbei, nichts besonderes. Von hier aus konnte ich alle nötigen Erledigungen tätigen und mir zwischenzeitlich die Stadt anschauen, während mich seine Mutter täglich mit der hohen Kunst der nepalesischen Küche verwöhnte.

Visa process:

Tag 1: Visumsantrag Indien einreichen und bezahlen. 50$! 6 Monate und Multiple-Entry ist Standard, da Nepal jedoch nicht mein Heimatland ist, vielleicht weniger. Kommen Sie in 6 Tagen wieder!

Tag 2: Visumsantrag Myanmar. Im Gegensatz zur Indischen Botschaft hier nichts los. Antrag ausfüllen, 20$ für das Visum, 300 Nepalee Rupee (=2,70€) für 2 räudige DIN A4 Blätter Antragsformular. Da wurde ich wohl ausgenommen, wie eine Weihnachtsgans. Pass da lassen, kommen Sie in 2 Tagen wieder!

Tag 4: Pass abholen! Myanmar Visum, check!

Tag 7: Pass einreichen in der Indischen Botschaft. Dafür über 2 Stunden warten. 4 Month, Single-Entry from … TODAY! Vollkommen willkürlich und ohne Begründung, aber für mich mehr als ausreichend. Andere, die mit 6 Monaten, Multiple-Entry gerechnet hatten und es nicht bekamen, bekamen dafür Wutausbrüche. Unterhaltsam :) Kommen Sie morgen wieder!

Tag 8: Pass abholen. Indien Visum, check!

Kathmandu

Die Folgen von den schweren Erdbeben im April und Mai (7,8MW, ca. 8800 Todesopfer) sind noch immer in der ganzen Stadt sichtbar. Viele „Ground-Zeros“, Häuser die abgestützt werden müssen und viele Wahrzeichen und Tempel zerstört. Auch während meiner Anwesenheit wackelten einmal die Wände für etwa 5 Sekunden. 5,3MW! Für mich ganz „interessant“, für die traumatisierten Nepalesen, wahrscheinlich eher weniger lustig. Genauso unlustig ist auch das Gehupe auf den Straßen. Jeder hupt immer und überall, egal ob eine Situation gefährlich zu sein scheint oder nicht. Dass die Auto- und Motorradfahrer als Kollektiv damit einen grauenhaften Lärm erzeugen, ist ihnen wohl noch nicht in den Sinn gekommen. Mir schwirrten erste Ideen für Prepaid-Hupen zur Lärmreduzierung im Kopf herum. Darum kümmere ich mich jedoch erst, wenn ich mit der Thronfolge im Oman durch bin. Die Straßen sind ebenfalls in schlechtem bis katastrophalem Zustand, man fragt sich echt, was mit den Unmengen an Geld, die durch den boomenden Tourismus ins Land gespült werden, gemacht wird.

Ansonsten ist Kathmandu aber ziemlich bunt, Hinduismus und Buddhismus vereinen sich, an jeder Ecke gibt es einen Tempel zu finden. In Thamel, dem Touristenzentrum Kathmandus, gibt es allerhand schicke Souvenirs, original oder alternativ gefälschte Trekkingsachen und eine Entourage von Typen, die dir Drugs in best quality andrehen wollen. Zur Freude meines Geldbeutels brauche ich nichts von alledem. Zu seinem Ärgernis, ist das Bier nicht sonderlich günstig, aber so ein echtes nepalesisches Bier will probiert werden. Schmeckt. Aber warum gibt es eigentlich an jeder Ecke Mountain Dew (sehr süßes Erfrischungsgetränk mit erhöhtem Koffeingehalt…für die älteren Leser), dass ja in Deutschland eher wenig verbreitet ist? Achso, hier gibt es ja allerhand Berge. Sensationelle Marketingstrategie! Schmeckt mit diesen Facts im Hinterkopf tatsächlich besser und lässt sich auch wunderbar mit echtem Bergsteigerschnaps mischen, was mir von Sujans Vater gezeigt wurde, der gerade vom Everest Basecamp zurückkam. Dazu der alltägliche Stromausfall, Familie und Nachbarn am Start, eine tolle Atmosphäre. Atmosphäre hatte auch der Pashupatinath Tempel, aber diese war eher etwas bizarr. Auf der einen Seite des Flusses wurde eine hinduistische Zeremonie gefeiert, auf der anderen Seite wurden Leichen verbrannt, dazwischen wuselten Hunde, Kühe und Affen herum und ein paar Kids nutzten die Anlage als Skatespot. Ein wahrlich interessanter Abschluss der Wartezeit, es konnte nun aber losgehen.

Zum ersten Mal bekam ich die Bestätigung, dass das Fahrrad das richtige Reisemittel ist, denn aufgrund von Demonstrationen und damit verbundenen Grenzblockaden zu Indien, herrscht „Kraftstoffknäppe“ und man muss um die 2 Stunden für ein paar Liter Benzin anstehen. Mit breitem Grinsen fuhr ich an den vom Militär kontrollierten Warteschlangen vorbei und schoss noch ein paar Fotos. Zuerst ging es durch den „Vorbau“ des Himalayas durch allerhand kleine Dörfchen. Wie in Armenien gelernt, verwandelten sich Höhenmeter in gute Aussichten. Die Abfahrten … mir fehlen die Worte. Gegrüßt wurde zu 95% nicht von alleine, also nahm ich das Ruder in die Hand (hatte ich ja nun lange genug in der islamischen Welt beigebracht bekommen) und grüßte stets mit einem freundlichen NAMASTE! Die Reaktionen waren pures Gold! Da kommt das Weißbrot mit seinem Fahrrad vorbeigerollt und spricht auch noch unsere Sprache! Namaste!, schalte es stets zurück. So ein nepalesisches Grinsen ist einfach schön, egal ob jung, alt, Männlein oder Weiblein, einfach schön.

Unmittelbar als ich den East-West-Highway im Flachland Nepals erreichte änderte sich das Bild schlagartig. Ich dachte an den Anfang von Resident Evil 2, ein apokalyptisches Szenario. Unmengen von Müll am Straßenrand, ein paar Rauchschwaden von brennenden Müllbergen und in einem Straßenrestaurant hauen sich zwei Typen erstmal ordentlich aufs Maul. Die Menschen sahen auch schlagartig anders aus, deutlich dunkler, eher wie ich mir Inder vorgestellt hatte. Und ihr Verhalten war auch vollkommen anders. Blieb ich stehen, wurde ich relativ schnell umzingelt, doch keiner sagte etwas. Einfach nur gaffen. Ich frage mich bis heute, was bei denen im Kopf vorgeht und stelle mir ein paar Zahnräder vor, die sich irgendwie verhakt haben und vergebens versuchen weiterzulaufen. Ab und zu fuhr einer neben mir und sagte nichts. Wurde ich langsamer, nahm er ebenfalls das Gas raus, sobald ich wieder in die Pedale trat, machte er mit, um auf gleicher Höhe zu bleiben. Ich ließ mir nichts anmerken, aber als es mir reichte, legte ich eine Vollbremsung hin. Tatsächlich taten sie dasselbe, aber natürlich etwas später. Als ich dann eine Minute lang vorgab, etwas in meiner Tasche zu suchen, verschwanden die Halunken dann endlich. Ab und zu, als ich einen der schnelleren Radfahrer überholte, wollte dieser zeigen, dass er King of the Road ist und hackte urplötzlich in die Pedale, um an mir wieder vorbei zu ziehen. Diesen Kindergarten gabs ein ums andere Mal mit einer Mischung aus Amüsement und Kopfschütteln im Rückspiegel zu beobachten. Die Lage entspannte sich zwar etwas, aber an dieser Stelle muss ich tatsächlich zum ersten Mal etwas meckern. Das ist aber hoffentlich gleichzeitig der Beweis, dass alles, was zuvor geschah, nicht nur so cool in diesem Blog landete, sondern auch wirklich so cool war. Umso erfreuter war ich, als ich einen Motorradfahrer aus Holland traf, der mir erzählte, dass, mit dem Militärkonvoi in Pakistan rum zu fahren, ziemlich unentspannt ist und dass er übertrieben viel blechen muss und einen Guide braucht, um in Myanmar touren zu dürfen. Alles super, dachte ich, stopfte mir die Stöpsel ins Ohr und fuhr ganz entspannt Richtung Indien. Und ob dort wirklich alles so crazy ist, wie alle immer behaupten und ob ich ohne Durchfallerkrankung durchkomme, das lest es nächstes Mal. Wetteinsätze können bis 15.12 bei mir daheim in frischen 50€-Scheinen bar eingezahlt werden. Bis dann!

Zurück auf dem Boden der Tatsachen
Your tire is dancing Micheal Jackson!
Spiegel verkehrt spiegelverkehrt
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Kathmandu
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Ground Zero
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Der Hahn im Korb
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Gasknäppe
Kraftstoffknäppe
Übersichtsknäppe
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Pashupatinath
Mathenachhilfe während Stromausfall
One Love
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Kathmandu's Finest
Sujan                                Tunichtgut
Visum sum sum!
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Die erste Karte meiner Tour
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Freundlich gucken bei Gruppenfotos: Fehlanzeige.
Ich mach mal mit.
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Oben auf dem Bus durch den Himalaya. Enjoy! -->
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Hund scheißt Puffotter, Junge scheißt Törtchen
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