BLOG EINTRAG #12 - IRAN (PART 1)

Am Morgen des 28.September reiste ich mit meinem Fahrrad von Armenien in die Islamische Republik Iran ein. Durch die ein oder andere Gruselgeschichte aus dem Internet von anderen Travellern, Fotografierverbot und die enorme militärische Präsenz am Grenzübergang, war ich schon gespannt, was mit mir passieren wird. Doch die Prozedur war entspannend langweilig. Zwei bis drei Fragen, die beweisen, dass ich auch wirklich ich bin und schon war ich drin. In die Taschen schauen wollte niemand. Hätte ich mal bloß 20 Liter Vodka mitgenommen, die hätten gutes Geld gemacht.

Nach nur 30km holten mich Perry und Ellen mit ihrem LKW-Wohnwagen ein und ließen die Hitchcycling Story im Iran beginnen. Das Bike kurzerhand vorne an den Rammbügel gespannt und los ging die wilde Fahrt. Bei einem theoretischen Runterfallen, hätten 10 Tonnen das Bike terminiert, doch dieses Ereignis blieb zum Glück aus. Als wir einen kleinen Boxenstop einlegten, musste ich mich fragen, warum ich hier eigentlich mit dem Fahrrad rumgurke, schließlich kostet der Liter Diesel 3000 Rial (=weniger als 0,08€).

Angekommen in Tabriz wurde ich nachts Teil eines ernstzunehmenden 3-on-3, bespickt mit Iranischen Erstliga-Spielern und prompt folgte die erste Einladung zu einem der Basketballer nach Hause. Während ich seinem Auto folgte, sprachen mich plötzlich zwei Girls aus einem anderen Auto aus an. Wir hielten alle nebeneinander an, tauschten Nummern und einen Abend später hatten wir ein Date mit deliziösem Abendessen, Wein, Schnaps und Tanz. Alles hochgradig illegal (siehe Blog #14). Es kostete mich Tage, herauszufinden, ob diese sexuelle Anziehungskraft von mir oder meinem Fahrrad ausging. Die Antwort gab es erst, als ich mich von Tabriz Richtung Teheran machte. Dort hielt ein Trucker namens Lahim an, winkte mich heran und fragte, wo es hin geht. Teheran! Bike rein und ab geht’s. Anfangs freundlich und zuvorkommend, wollte er später mein Bein massieren, schließlich sei das Radfahren ja anstrengend. Iranische Gastfreundlichkeit? Ich war mir nicht ganz sicher… Als er dann danach fragte, ob er nicht meinen Penis sehen könnte, ich verneinte und er dann mit seiner Hand näher kam, um ihn anzufassen, war ich mir sicher, dass es sich hier erstens nicht um Iranische Gastfreundschaft handelt und zweitens, dass die sexuelle Anziehung von mir ausgeht, nicht von meinem Fahrrad. Haha! Mit einer kraftvollen Defensivattacke im Stile der Tigerpranke, konnte ich seine Hand abblocken und er verstand (mehr oder weniger), dass er sich den falschen geangelt hatte. Aussteigen kam für mich trotzdem nicht in Frage, schließlich konnte ich so 600km skippen, in denen es (wahrscheinlich) wenig zu sehen gegeben hätte und da er ein halbes Hemd war, musste ich auch nichts befürchten, da ich ihn im Ernstfall mit meinem Shaolin Kung Fu niedergestreckt hätte. Später hatten wir sogar noch ein gemeinsames Abendessen, romantisch. Als wir nachts in einer der miesesten Gegenden in Teheran ankamen, wollte er Geld. Hatte ich ihn um diesen Ride gebeten, den sowieso seine Firma bezahlt? Ich glaub‘ es hackt! Er sprach zwar so gut wie kein Englisch, aber wir hatten eine ordentliche Diskussion. Er fuhr weiter, um mir zu zeigen, dass er mich ohne Kohle nicht rauslassen wird. In dem Zehntel einer Nanosekunde, in der ich darüber nachdachte, die Polizei anzurufen, stellte ich fest, dass ich nichtmal die Nummer weiß. Es war nachts um 4 Uhr, ich war in einer 15-Millionen-Stadt, ich hatte eh‘ keinen Plan, wo ich bin und wo ich hin will, also lehnte ich mich entspannt zurück. Diese Relaxation gefiel ihm nicht, also hielt er wieder an und drohte, die Polizei zu rufen. Eigentor! Mit brüskem Duktus sagte ich: „Please do it! You know what you get for homosexuality in Iran“. In diesem Moment öffnete er seine Tür und half mir das Bike auszuladen, bevor er sich freundlich verabschiedete…strange! Nein, ich habe nichts gegen Homosexualität, nur gegen asoziale Menschen und sexuelle Belästigung (außer von gutaussehenden Frauen), aber da ich wusste, dass im Iran homosexuelle Handlungen sogar mit der Todesstrafe bestraft werden können, spielte mir dieses Gesetz in diesem Moment in die Karten.

Nach ein paar Kilometern Cycling, fand ich mitten auf der Straße ein FreeWifi eines Hotels und konnte chatten, während ein Obdachloser neben mir schlief. Neda, eine Reisebekanntschaft aus Tiflis, Georgien, die in Teheran, Iran aufgewachsen ist, war mittlerweile wieder daheim in Sacramento, USA und war deshalb online. Ein paar Stunden später war ich bei ihrem Daddy und konnte endlich schlafen. In den nächsten Tagen kümmerten sich Neda’s Freunde um mich, erklärten mir „DorDor“ (siehe Blog #14) und zeigten mir die Stadt. Azadi Tower, Milad Tower, Golestan Palace undundund. Am beeindruckendsten fand ich jedoch die Gemälde an der ehemaligen Botschaft der USA. Ein ziemlich bizarrer Ort, vor allem, da es ja in jüngster Zeit erste Annäherungsversuche zwischen dem Iran und der USA gab. Was hier 1979 abging, kann man entweder hier nachlesen oder sich noch besser im Film Argo (2012) anschauen.

In der letzten Nacht, bevor ich Teheran verlassen wollte, bekam ich aus dem Nichts innerhalb von zwei Minuten 38,5° Fieber. Nein, das würde ich auch keinem glauben, der mir sowas erzählen wollen würde. Die Schwestern Jooan und Rojin, bei denen ich mittlerweile untergekommen war, päppelten mich wieder auf und nach drei Tagen konnte es endlich weitergehen.

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Truck of Love
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US Embassy in Tehran
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Azadi Tower
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Golestan Palast
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Grand Bazaar in Tehran...
....größter Basar der Welt
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Blog #11--->